Wahrnehmung - Kunst

To Canalize is to Colonialize. The Saint-Simonians Invent Modernity

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This is a provisional reblog from atopia.tk (which is currently offline), where this text originally appeared in Vol. 11 "straits/estrechos/stretti/engführungen/détroits" in 2007.

I “To the Colonies!”

Is there a way that leads from the forest of Ménilmontant to the Red Sea? While the history of the canal of Suez is fairly well known, one of the seemingly obscure foundations of French colonialism has only been re-rediscovered in the last few years. Fashionable talk of the town in the Paris of the 1830’s, the cult and sect of Saint-Simonism is now known primarily as one of the early socialist movements.

It might seem a bit offbeat to understand the social-utopian thought of a few religious and romantic men as a vital part of a long-term French imperial and colonial imaginary. The philology of the movement always has concentrated on the pacifist and modernist part of their thought, less on utterances, such as Michel Chevalier’s poetic call to action “Les colonies — en avant! To the colonies!” from 1833. From a postcolonial point of view, Saint-Simonism becomes more than a chapter in the history of ideas. It in-forms a colonial dispositif, namely being a heterogeneous ensemble of discourse, institutions, administrative measures, scientific assertions and positive law in itself (Foucault). Furthermore, I would like to argue that there is a more or less visible positive unconscious that shapes their discourse: the physical channel as a medium of networking geopolitics.

Machereau, Joseph: Trois hommes de face, en costume de saint-simonien

Historische Netzwerkanalysen - Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 1/2012

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Die hoch geschätzte, für kulturwissenschaftliche Impulse immer offene Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften stellt ihre aktuelle Ausgabe 1/2012 unter den Titel "Historische Netzwerkanalysen". Dies knüpft an die immer mehr spürbare Bewegung der Geschichtswissenschaften in Richtung Sozialer Netzwerkanalyse an. In der Tat warten einige Beiträge mit dem Einsatz von formaler Social Network Analysis (SNA) auf. Ausführlich lässt die aktuelle Forschung in diesem Bereich in Marten Dürings Bibliografie zum Thema nachvollziehen.

Die Herausgeber des Heftes, Albert Müller und Wolfgang Neurath, positionieren sich mit ihrer Einleitung gewitzt. Ihre Darstellung zur diskontinuierlichen Geschichte der sozialen Netzwerkanalyse ist allemal lesenswert (und zum Glück auch online verfügbar). Dass hier österreichische Akteure wie Heinz von Foerster, Otto Neurath und Jacob Levy Moreno zu ihrer Ehre kommen, versteht sich von selbst. Erfreulich ist auch, dass die französische Historikerin Claire Lemercier mit einem Artikel vertreten ist. Ich habe es leider selber zeitlich nicht geschafft, mit beizutragen. So fehlt nun - auf den ersten Blick - ein Artikel, der auf die Historizität des Netzwerkens als raumgreifender Praktik und Kulturtechnik eingeht. An der freudigen Lektüre hindert dies aber nicht.

Hannah Petersohn: »Kunst-Netze. Graphische Algorithmen im Kontext des Netzwerkdiskurses«

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Hannah Petersohn: »Kunst-Netze. Graphische Algorithmen im Kontext des Netzwerkdiskurses«

Abbildung: Jorinde Voigt, O.T. (2 küssen sich Var.6), Berlin 2007

Auf großformatigem, weißem Papier lässt Jorinde Voigt Kompositionen entstehen, die an Notationen erinnern. Ob ihrer langjährigen Cello-Ausbildung, ist eine solche Parallelität zur Notenschrift nicht von der Hand zu weisen. Die Arbeiten illustrieren bestimmte Ereignisse, deren gesellschaftlicher Symbolcharakter den Ausgangspunkt der Darstellungen bildet.

Bei diesen Ereignissen handelt es sich unter anderem um: Adler, Popsongs, Autos, Strom, Küsse und Temperatur. Voigt bringt sie in Schriftsprache – als geschriebenes Wort – auf das Papier. Dort werden sie miteinander vermischt, verkettet und überlagert. Die Ereignisse fungieren nunmehr als Knoten. Die einzelnen Knoten werden durch meist stromlininienförmige Geraden – einem teilweise maschenähnlichen Gewebe – zueinander in Beziehung gebracht.

Roman Hanig: »Die Herde der elektrischen Schafe oder das Netzwerk der Computerträume«

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Roman Hanig: »Die Herde der elektrischen Schafe oder das Netzwerk der Computerträume«

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

So lautete der Titel eines Science-Fiction-Romans von Philip K. Dick aus dem Jahre 1968. Der Autor erschafft darin eine Welt, in der die Bionik inzwischen soweit fortgeschritten ist, dass sie menschenähnliche Roboter, so genannte Androiden, herzustellen im Stande ist. Dick geht dabei der Frage nach, was genau den Menschen eigentlich als solchen ausmacht und von seinen eigenen, beinah perfekten Nachbauten überhaupt (noch) unterscheidet. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht die Intelligenz ist, denn gerade auf diesem Gebiet laufen die Androiden den Menschen zunehmend den Rang ab, sondern die Empathie, das menschliche Einfühlungsvermögen.

Mark Wigley: »Network Fever«

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Mark Wigley: »Network Fever«

Wigleys langer Artikel verfolgt ausgehend von einer Begegnung zwischen Buckminster Fuller und Marshall McLuhan das Netzwerk-Fieber ab den 1960er Jahren. Lesenswert!

Grey Room 04, Summer 2001, pp. 82–122. © 2001 Grey Room, Inc. and Massachusetts Institute of Technology