Netze und Systeme

»Schwärme: Kollektive ohne Zentrum. Eine Wissensgeschichte zwischen Leben und Information«

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»Schwärme: Kollektive ohne Zentrum. Eine Wissensgeschichte zwischen Leben und Information«

Was kommt nach den Netzwerken? Dieser Frage widmet sich ein frisch erschienes, äußerst lesenswertes Buch zur Wissensgeschichte der Schwärme. Es gehört zu den seltenen Exemplaren der Gattung "wissenschaftlicher Sammelband", in der das ganze mehr als die Summe seiner einzelnen Papierteile darstellt. Und genau dieses Phänomen – das emergente Ganze des Schwarms, das ein 'mehr' gegenüber den Bewegungen des einzelnen Menschen/Tiers darstellt – ist einer der zentralen Bezugspunkte von "Schwärme. Kollektive ohne Zentrum".

Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen die anthropologische Frage einer Verschiebung zwischen Mensch und Tier im Zeichen des Schwarms. Zum anderen geht es um das epistemologische Phänomenen der (Un-)Berechenbarkeit des Lebendigen. Jeder einzelne der Beiträge bewegt sich so in einem komplexen Feld zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft, Medien- und Wissenschaftsgeschichte. Der jüngsten Konjunktur des Schwärmens von der Militärstrategie bis zum 'Trendtag Schwarmintelligenz' setzt das Buch so eine historisch differenziertes, vielstimmiges Bild entgegen. Als besonderer Höhepunkt erweist sich dabei die erstmalig auf Deutsch vorliegende Übersetzung von "Networks, Swarms, Multitudes" – jenem Text, mit dem der amerikanische Medienwissenschaftler Eugene Thacker 2004 die internationale Reflexion über das Phänomen Schwarm beflügelt hat. Fazit: Lesen!

Hannah Petersohn: »Kunst-Netze. Graphische Algorithmen im Kontext des Netzwerkdiskurses«

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Hannah Petersohn: »Kunst-Netze. Graphische Algorithmen im Kontext des Netzwerkdiskurses«

Abbildung: Jorinde Voigt, O.T. (2 küssen sich Var.6), Berlin 2007

Auf großformatigem, weißem Papier lässt Jorinde Voigt Kompositionen entstehen, die an Notationen erinnern. Ob ihrer langjährigen Cello-Ausbildung, ist eine solche Parallelität zur Notenschrift nicht von der Hand zu weisen. Die Arbeiten illustrieren bestimmte Ereignisse, deren gesellschaftlicher Symbolcharakter den Ausgangspunkt der Darstellungen bildet.

Bei diesen Ereignissen handelt es sich unter anderem um: Adler, Popsongs, Autos, Strom, Küsse und Temperatur. Voigt bringt sie in Schriftsprache – als geschriebenes Wort – auf das Papier. Dort werden sie miteinander vermischt, verkettet und überlagert. Die Ereignisse fungieren nunmehr als Knoten. Die einzelnen Knoten werden durch meist stromlininienförmige Geraden – einem teilweise maschenähnlichen Gewebe – zueinander in Beziehung gebracht.

»Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne«

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»Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne«

Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Hg. Jürgen Barkhoff, Hartmut Böhme, Jeanne Riou, Köln 2004

Rezension von Steffen Siegel, FAZ vom 26.07.2004, S. 33 - via Perlentaucher

Was nicht vernetzt ist, existiert nicht. So zumindest wird es heute unter dem Eindruck von Computer und Internet suggeriert. Doch die neueste Netzwerktechnik hat viele Vorgeschichten. In drei Jahrhundertschritten 1800 - 1900 - 2000 untersucht der Band ,Vernetzung‘ als Leitmetapher und zentrale Kulturtechnik der Moderne aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Neue Tendenzen in Diskursanalyse und Wissenspoetik legen es nahe, nicht-lineare, unsystematische Organisationsformen vernetzungslogisch und -ästhetisch zu denken. Von der Chaostheorie und der Molekularbiologie gehen ähnliche Impulse aus.

Hartmut Böhme: »Netzwerke. Zur Theorie und Geschichte einer Konstruktion«

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Der angehängte Artikel im PDF-Format ist erschienen in: Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Hg. Barkhoff/Böhme/Riou, Köln 2004, S. 17-36.
Bitte benutzen Sie die gedruckte Fassung als Referenz und zum Zitieren!

Aus der Einleitung:

„(...) der semantische Kern von ,Netz‘ ist dinglich: das Spinnennetz und das Fischernetz. Netze haben eine natürliche oder technische Genese. Hinsichtlich von Netzen taugt also die systematische Unterscheidung von Natur und Kultur nicht. Sowohl materielle Dinge wie symbolische Objekte können Netze bilden.

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