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Verunreinigungsarbeit. Über den Netzwerkbegriff der Akteur-Netzwerk-Theorie (BETA)

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Der hier gebloggte Text ist die Erstfassung eines Artikels für eine Ausgabe der Zeitschrift für Kulturwissenschaften, die 2013 unter dem Titel ›Reinigungsarbeit‹ erscheinen soll. Nach dem Motto »release early, release often« stelle ich den Text vorab zur Diskussion. Anmerkungen, Anregungen, Korrekturen? Einfach eine Mail an sebastian.giessmann [[at]] culture.hu-berlin.de oder einen Tweet an @sebgiessmann senden.

Als Luc Boltanski und Ève Chiapello 1999 eine erste Sichtung der »Zunahme von Untersuchungen zum Netz-Begriff« vornahmen, fiel ihr Urteil strikt und entschieden aus. Zum einen zeigten die Soziologin und der Direktor der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociale schon durch die Literatursichtung, aus welch heterogenen Quellen sich diese Beschreibungskonjunktur speiste. Die allgemeine ›konnexionistische Phantasie‹ führten beide auf die vernetzte Betriebswirtschaft, medienwissenschaftliche Klassiker, wirtschaftswissenschaftliche Informationsstudien, Arbeiten zu Informatik und Internetkultur, Theorien der Selbstorganisation, die amerikanische Netzwerksoziologie und die neue Wissenschafts- und Techniksoziologie zurück (Boltanski/Chiapello 2003: 190).

Gerhard Fröhlich: »Netz-Euphorien. Zur Kritik digitaler und sozialer Netzwerkmetaphern« (1996)

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Gerhard Fröhlich bereits 1996 publizierter netzkritischer Text ist nach wie vor sehr lesenswert.

Die gedruckte Fassung findet sich in: Gerhard Fröhlich, "Netz-Euphorien. Zur Kritik digitaler und sozialer Netz(werk)metaphern", in: Philosophie in Österreich 1996, Hrsg. Alfred Schramm. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 1996, S. 292-306. Online unter: www.iwp.jku.at/lxe/wt2k/pdf/Netz-Euphorien.pdf.

(...) Netze haben als Symbole in verschiedenen Kulturen eine lange Tradition, vor allem als Symbole des Einfangens und Sammelns:

Erhard Schüttpelz: »Ein absoluter Begriff. Zur Genealogie und Karriere des Netzwerkkonzepts«

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Der angehängte Artikel im PDF-Format ist erschienen in: Vernetzte Steuerung, Hg. Stefan Kaufmann, Zürich 2007, S. 25-46.
Bitte benutzen Sie die gedruckte Fassung als Referenz und zum Zitieren!

Im Rückblick auf unsere Zeit – je später, desto mehr – wird man auf ein semantisches Leitfossil stoßen. Die Leute in der Zeit zwischen 1990 und 2010 scheinen geradezu besessen gewesen zu sein von dem, was sie das „Netz“ oder das „Netzwerk“ nannten. Man wird sich fragen, warum gerade jene Zeit vom Begriff und von der Metapher des „Netzwerks“ so besessen gewesen ist. Welches Versprechen, welcher Anspruch, welche Illusion und welche Enttäuschung verbargen sich im „Netz“ der damaligen Zeit?

Hartmut Böhme: »Netzwerke. Zur Theorie und Geschichte einer Konstruktion«

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Der angehängte Artikel im PDF-Format ist erschienen in: Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Hg. Barkhoff/Böhme/Riou, Köln 2004, S. 17-36.
Bitte benutzen Sie die gedruckte Fassung als Referenz und zum Zitieren!

Aus der Einleitung:

„(...) der semantische Kern von ,Netz‘ ist dinglich: das Spinnennetz und das Fischernetz. Netze haben eine natürliche oder technische Genese. Hinsichtlich von Netzen taugt also die systematische Unterscheidung von Natur und Kultur nicht. Sowohl materielle Dinge wie symbolische Objekte können Netze bilden.

Mark Wigley: »Network Fever«

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Mark Wigley: »Network Fever«

Wigleys langer Artikel verfolgt ausgehend von einer Begegnung zwischen Buckminster Fuller und Marshall McLuhan das Netzwerk-Fieber ab den 1960er Jahren. Lesenswert!

Grey Room 04, Summer 2001, pp. 82–122. © 2001 Grey Room, Inc. and Massachusetts Institute of Technology

André Guillerme: »Réseau: Genèse d'un mot«

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Ein zusammenfassender Artikel zur französischen Geschichte des Begriffs »réseau« aus den Cahiers de la Médiologie Nr.3, 1997, S. 7-16.

Online als PDF verfügbar.

Sebastian Gießmann: »Netzwerke als Gegenstand von Medienwissenschaft

Ein programmatischer Text zur kultur- und medienwissenschaftlichen Netzwerk-Forschung.
Erschienen in: MEDIENwissenschaft 4/2005, S. 424-429. (PDF)

Die Medienwissenschaft, so wird Wolfgang Ernst nicht müde zu betonen, hat einen blinden Fleck: Den Begriff des Mediums selbst. Dies gilt zumal für die in Deutschland nur im Plural vorhandenen vielfältig-heterogen institutionalisierten Medienwissenschaften. Auf diese Art und Weise ist die Disziplin seit etwa 20 Jahren immer wieder in Gründung, selbst wo sich die Zeichen einer Konsolidierung längst ausmachen lassen.

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