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Historische Netzwerkanalysen - Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 1/2012

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Die hoch geschätzte, für kulturwissenschaftliche Impulse immer offene Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften stellt ihre aktuelle Ausgabe 1/2012 unter den Titel "Historische Netzwerkanalysen". Dies knüpft an die immer mehr spürbare Bewegung der Geschichtswissenschaften in Richtung Sozialer Netzwerkanalyse an. In der Tat warten einige Beiträge mit dem Einsatz von formaler Social Network Analysis (SNA) auf. Ausführlich lässt die aktuelle Forschung in diesem Bereich in Marten Dürings Bibliografie zum Thema nachvollziehen.

Die Herausgeber des Heftes, Albert Müller und Wolfgang Neurath, positionieren sich mit ihrer Einleitung gewitzt. Ihre Darstellung zur diskontinuierlichen Geschichte der sozialen Netzwerkanalyse ist allemal lesenswert (und zum Glück auch online verfügbar). Dass hier österreichische Akteure wie Heinz von Foerster, Otto Neurath und Jacob Levy Moreno zu ihrer Ehre kommen, versteht sich von selbst. Erfreulich ist auch, dass die französische Historikerin Claire Lemercier mit einem Artikel vertreten ist. Ich habe es leider selber zeitlich nicht geschafft, mit beizutragen. So fehlt nun - auf den ersten Blick - ein Artikel, der auf die Historizität des Netzwerkens als raumgreifender Praktik und Kulturtechnik eingeht. An der freudigen Lektüre hindert dies aber nicht.

»Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne«

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»Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne«

Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Hg. Jürgen Barkhoff, Hartmut Böhme, Jeanne Riou, Köln 2004

Rezension von Steffen Siegel, FAZ vom 26.07.2004, S. 33 - via Perlentaucher

Was nicht vernetzt ist, existiert nicht. So zumindest wird es heute unter dem Eindruck von Computer und Internet suggeriert. Doch die neueste Netzwerktechnik hat viele Vorgeschichten. In drei Jahrhundertschritten 1800 - 1900 - 2000 untersucht der Band ,Vernetzung‘ als Leitmetapher und zentrale Kulturtechnik der Moderne aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Neue Tendenzen in Diskursanalyse und Wissenspoetik legen es nahe, nicht-lineare, unsystematische Organisationsformen vernetzungslogisch und -ästhetisch zu denken. Von der Chaostheorie und der Molekularbiologie gehen ähnliche Impulse aus.

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