Am 5. Oktober in Frankfurt: AG Daten und Netzwerke nimmt ihre Arbeit auf (Update: Raum steht fest)

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Eine der schönen Eigenschaften der Gesellschaft für Medienwissenschaft, kurz und liebevoll GfM genannt, sind ihre Arbeitsgruppen. Diese werden immer zahlreicher, so wird zur Jahrestagung in Frankfurt/Main neben der AG ›Daten und Netzwerke‹ und die AG ›Medienwissenschaft und politische Theorie‹ gegründet werden.

Das konstituierende Treffen der AG ›Daten und Netzwerke‹ findet am Freitag 5.10.2012, 12-13.30 Uhr statt. [Update] Der Ort steht nun fest: Raum 2.701 im Nebengebäude auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Im Vorfeld haben wir gemeinsam via Etherpad Ideen gesammelt und einen Textentwurf erarbeitet, an dem hauptsächlich Dietmar Kammerer, Sebastian Gießmann, Sebastian Vehlken und Markus Burkhardt beteiligt waren. Für das Gründungstreffen soll er die Diskussionsgrundlage darstellen.

Selbstverständnis der AG Daten und Netzwerke (DuN) in der
Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

›Daten‹ und ›Netzwerke‹ stehen als sowohl soziopolitische als auch
medientechnische Großbegriffe seit einigen Jahren im Zentrum der Analyse
und Kritik von Forschungsansätzen, die sich dezidiert digitalen Medien
zuwenden. Um die beiden Kernbegriffe der AG verdichten sich
Fragestellungen und Problemfelder, die verstärkt in den
Medienkulturwissenschaften diskutiert werden. An diese Diskurse möchte
die AG Daten und Netzwerke anschließen. Sie generiert sich dabei aus
jenem weiterführenden Verständnis heraus, dass Netzwerke und Daten im
Bereich digitaler Medien stets in einem Verhältnis der Ko-Konstitution
stehen: Als infrastrukturelle Organisationsform bilden sich Netzwerke
eben dadurch in ihrer je spezifischen und weiterhin veränderlichen Form
heraus, indem in ihnen Daten, generiert, codiert, verarbeitet und
distribuiert werden. Daten entstehen in kulturtechnischen Vollzügen des
Schreibens, Rechnens, Visualisierens, Hörbar- und Tastbarmachens. Sie
werden dabei intermedial generiert, codiert, verrechnet, überprüft,
adressiert und in Speichern abgelegt. Indem Medien Daten über Netzwerke
verteilen, werden sie selbst zum modifizierbaren Element der
Transaktionen in vernetzten Infrastrukturen.

Damit ist ein Gegenstandsbereich umrissen, der über zentrale digitale
Medien wie ›Computer‹ und ›Internet‹ weit hinausreicht. Wenn heute
einerseits jene gesellschaftspolitischen Potenziale und
Kollektivphänomene zur Debatte stehen, zu denen neue, vernetzte Formen
medientechnisch vermittelter Interaktionen einen Beitrag leisten, und
wenn andererseits neuartige Politiken der Medien untersucht werden, die
sich z.B. den (noch weitgehend unbestimmten) Möglichkeiten in
kommerziellen ›Datencentern‹ widmen, dann stellt sich der intrinsische
Zusammenhang von Daten und Netzwerken als aktuelles Forschungsfeld für
eine auch technisch interessierte Medienkulturwissenschaft dar.

Die AG nimmt sich zum Ziel, Forscherinnen und Forschern in der GfM eine
Plattform zu bieten, die medienwissenschaftliche Ansätze, Methoden und
Begriffe auf Daten respektive Netzwerke und deren Codes, Protokolle und
Infrastrukturen anwenden und kritisch weiter entwickeln anwenden und
kritisch weiter entwickeln. Diese stellen ihren jeweiligen Gegenstand in
systematische ebenso wie in historische Perspektive und nehmen die
Weisen des alltäglichen Gebrauchs und der Aneignung der medialen Objekte
ebenso ernst wie deren Agency und Eigensinnigkeit.

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten der AG gehören:

  • Agency von Datenerzeugung und Verarbeitung
  • Ontologie von Daten (Kulturtechniken: Bild - Schrift - Zahl - Diagramm,
    digitale Datenverarbeitung/analoge Datenverarbeitung bzw. diskret/kontinuierlich)
  • Sozialität von Datenerzeugung und Verarbeitung
  • Netzwerke: Praktiken, Formen , Techniken und Begriffe
  • Informationsvisualisierung (Medienästhetik/Bildwissenschaft, Verhältnis
    von Zahl, Bild, Diagramm)
  • Daten und Objekte (Informatisierung materieller Objekte)
  • Internet der Dinge
  • Daten und (lebendige) Körper
  • Daten und Quasi-Objekte (Objektorientierung in Programmiersprachen,
    Interdependenzen von symbolischen Ordnungen und Verdatung,
    epistemische Dinge)
  • Theorie und Geschichte der Datenbanken, des Internets und seiner
    Dienste, des Computers, seiner Interfaces, der Algorithmen, Programmiersprachen
    und Software Studies
  • Datenschutz
  • Digitale Partizipation, digitale Gesellschaft
  • Medienethnografie und Mediensoziologie der ›digitalen‹ Gesellschaft(en),
    Geschichte der Netzwerkgesellschaft(en)
  • Netzkritik, Netzaktivismus
  • Web Studies
  • Mediengeografie
  • Digital Humanities, Digital Methods
  • Gouvernemedialität
  • ...

Die AG strebt die Vernetzung der Wissenschaftler/innen untereinander an.
Sie setzt sich zum Ziel, Forschungsergebnisse ihrer Mitglieder
international bekannt zu machen sowie den internationalen Austausch zu
stärken. Sie sucht den Dialog mit benachbarten Disziplinen wie
Informatik, Wissenschaftsforschung und Mediensoziologie. Sie fördert den
wissenschaftlichen Nachwuchs.