Roman Hanig: »Die Herde der elektrischen Schafe oder das Netzwerk der Computerträume«

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
So lautete der Titel eines Science-Fiction-Romans von Philip K. Dick aus dem Jahre 1968. Der Autor erschafft darin eine Welt, in der die Bionik inzwischen soweit fortgeschritten ist, dass sie menschenähnliche Roboter, so genannte Androiden, herzustellen im Stande ist. Dick geht dabei der Frage nach, was genau den Menschen eigentlich als solchen ausmacht und von seinen eigenen, beinah perfekten Nachbauten überhaupt (noch) unterscheidet. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht die Intelligenz ist, denn gerade auf diesem Gebiet laufen die Androiden den Menschen zunehmend den Rang ab, sondern die Empathie, das menschliche Einfühlungsvermögen.
Die sinnliche Komponente des Menschen, die der Schriftsteller hier als dessen differencia specifica gegenüber anderen Lebensformen herausstreicht, muss Scott Draves sehr beeindruckt haben, denn er kreierte in Anlehnung an den Buchtitel einen Algorithmus, der gewissermaßen die kollektiven Träume internetfähiger Computer sichtbar macht. Die Herde der elektrischen Schafe war geschaffen.
Von gewöhnlichen Schafen träumen die Computer zwar nicht, genau genommen auch nicht von elektrischen, was möglicherweise daran liegt, dass es sich bei den Computern, die uns Menschen gegenwärtig zur Verfügung stehen, noch nicht um Androiden handelt, sondern um handelsübliche PCs, Laptops und derlei. Aber im Grunde ist es nur eine Frage der Bezeichnung. Nichts spricht dagegen, die mannigfaltigen, bunten, unablässig sich bewegenden und fließend, ja organisch ineinander übergehenden fraktalen Flammen, in denen uns die Computerträume auf dem Bildschirm erscheinen, als »elektrische Schafe« zu bezeichnen.
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