Historische Netzwerkanalysen - Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 1/2012
Verfasst von sgiessmann am Fr, 2012-05-11 00:10. Quantitative Netzwerkanalyse | Akteurs-Netzwerke | Literatur | SammelbändeDie hoch geschätzte, für kulturwissenschaftliche Impulse immer offene Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften stellt ihre aktuelle Ausgabe 1/2012 unter den Titel "Historische Netzwerkanalysen". Dies knüpft an die immer mehr spürbare Bewegung der Geschichtswissenschaften in Richtung Sozialer Netzwerkanalyse an. In der Tat warten einige Beiträge mit dem Einsatz von formaler Social Network Analysis (SNA) auf. Ausführlich lässt die aktuelle Forschung in diesem Bereich in Marten Dürings Bibliografie zum Thema nachvollziehen.
Die Herausgeber des Heftes, Albert Müller und Wolfgang Neurath, positionieren sich mit ihrer Einleitung gewitzt. Ihre Darstellung zur diskontinuierlichen Geschichte der sozialen Netzwerkanalyse ist allemal lesenswert (und zum Glück auch online verfügbar). Dass hier österreichische Akteure wie Heinz von Foerster, Otto Neurath und Jacob Levy Moreno zu ihrer Ehre kommen, versteht sich von selbst. Erfreulich ist auch, dass die französische Historikerin Claire Lemercier mit einem Artikel vertreten ist. Ich habe es leider selber zeitlich nicht geschafft, mit beizutragen. So fehlt nun - auf den ersten Blick - ein Artikel, der auf die Historizität des Netzwerkens als raumgreifender Praktik und Kulturtechnik eingeht. An der freudigen Lektüre hindert dies aber nicht.
In eigener Sache: Update für "Netze und Netzwerke"
Verfasst von sgiessmann am Do, 2012-05-10 23:37.Nachdem es lange still um das Blog geworden ist, ist nun ein Update in Vorbereitung. Dann wird es endlich auch wieder mehr Inhalte geben: Netzwerkgeschichten kurz und lang, alt und neu...
Technisch wird "Netze und Netzwerke" vermutlich auf Wordpress migrieren, nachdem die Drupal-Installation etwas in die Jahre gekommen ist.
Stay tuned!
»Wunschmaschine Netzneutralität« auf der re:publica 2011
Verfasst von sgiessmann am Fr, 2011-04-15 16:40. Internet | VorträgeIhr habt gefragt -- und ich nutze die Gelegenheit, das alte Blog mal zu reaktivieren.
Anbei gibt es die Folien zum Workshop »Wunschmaschine Netzneutralität« auf der re:publica XI. Von den Folien bleiben ohne Erklärungen wie so oft... die Bilder. Viel Spaß damit!
Bei Gelegenheit schreibe ich dann noch ein wenig mehr.
»Schwärme: Kollektive ohne Zentrum. Eine Wissensgeschichte zwischen Leben und Information«
Verfasst von sgiessmann am Sa, 2009-08-15 10:35. Biologie (19.-21. Jahrhundert) | Internet | Netze und SystemeWas kommt nach den Netzwerken? Dieser Frage widmet sich ein frisch erschienes, äußerst lesenswertes Buch zur Wissensgeschichte der Schwärme. Es gehört zu den seltenen Exemplaren der Gattung "wissenschaftlicher Sammelband", in der das ganze mehr als die Summe seiner einzelnen Papierteile darstellt. Und genau dieses Phänomen – das emergente Ganze des Schwarms, das ein 'mehr' gegenüber den Bewegungen des einzelnen Menschen/Tiers darstellt – ist einer der zentralen Bezugspunkte von "Schwärme. Kollektive ohne Zentrum".
Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen die anthropologische Frage einer Verschiebung zwischen Mensch und Tier im Zeichen des Schwarms. Zum anderen geht es um das epistemologische Phänomenen der (Un-)Berechenbarkeit des Lebendigen. Jeder einzelne der Beiträge bewegt sich so in einem komplexen Feld zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft, Medien- und Wissenschaftsgeschichte. Der jüngsten Konjunktur des Schwärmens von der Militärstrategie bis zum 'Trendtag Schwarmintelligenz' setzt das Buch so eine historisch differenziertes, vielstimmiges Bild entgegen. Als besonderer Höhepunkt erweist sich dabei die erstmalig auf Deutsch vorliegende Übersetzung von "Networks, Swarms, Multitudes" – jenem Text, mit dem der amerikanische Medienwissenschaftler Eugene Thacker 2004 die internationale Reflexion über das Phänomen Schwarm beflügelt hat. Fazit: Lesen!
Gerhard Fröhlich: »Netz-Euphorien. Zur Kritik digitaler und sozialer Netzwerkmetaphern« (1996)
Verfasst von sgiessmann am Sa, 2008-11-29 15:15. Internet | ArtikelGerhard Fröhlich bereits 1996 publizierter netzkritischer Text ist nach wie vor sehr lesenswert.
Die gedruckte Fassung findet sich in: Gerhard Fröhlich, "Netz-Euphorien. Zur Kritik digitaler und sozialer Netz(werk)metaphern", in: Philosophie in Österreich 1996, Hrsg. Alfred Schramm. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky, 1996, S. 292-306. Online unter: www.iwp.jku.at/lxe/wt2k/pdf/Netz-Euphorien.pdf.
(...) Netze haben als Symbole in verschiedenen Kulturen eine lange Tradition, vor allem als Symbole des Einfangens und Sammelns:
Hannah Petersohn: »Kunst-Netze. Graphische Algorithmen im Kontext des Netzwerkdiskurses«
Verfasst von hpetersohn am Fr, 2008-03-28 14:05. Bildende Kunst | Netze und SystemeAbbildung: Jorinde Voigt, O.T. (2 küssen sich Var.6), Berlin 2007
Auf großformatigem, weißem Papier lässt Jorinde Voigt Kompositionen entstehen, die an Notationen erinnern. Ob ihrer langjährigen Cello-Ausbildung, ist eine solche Parallelität zur Notenschrift nicht von der Hand zu weisen. Die Arbeiten illustrieren bestimmte Ereignisse, deren gesellschaftlicher Symbolcharakter den Ausgangspunkt der Darstellungen bildet.
Bei diesen Ereignissen handelt es sich unter anderem um: Adler, Popsongs, Autos, Strom, Küsse und Temperatur. Voigt bringt sie in Schriftsprache – als geschriebenes Wort – auf das Papier. Dort werden sie miteinander vermischt, verkettet und überlagert. Die Ereignisse fungieren nunmehr als Knoten. Die einzelnen Knoten werden durch meist stromlininienförmige Geraden – einem teilweise maschenähnlichen Gewebe – zueinander in Beziehung gebracht.
Erhard Schüttpelz: »Ein absoluter Begriff. Zur Genealogie und Karriere des Netzwerkkonzepts«
Verfasst von sgiessmann am So, 2008-01-27 15:25. Akteurs-Netzwerke | ArtikelDer angehängte Artikel im PDF-Format ist erschienen in: Vernetzte Steuerung, Hg. Stefan Kaufmann, Zürich 2007, S. 25-46.
Bitte benutzen Sie die gedruckte Fassung als Referenz und zum Zitieren!
Im Rückblick auf unsere Zeit – je später, desto mehr – wird man auf ein semantisches Leitfossil stoßen. Die Leute in der Zeit zwischen 1990 und 2010 scheinen geradezu besessen gewesen zu sein von dem, was sie das „Netz“ oder das „Netzwerk“ nannten. Man wird sich fragen, warum gerade jene Zeit vom Begriff und von der Metapher des „Netzwerks“ so besessen gewesen ist. Welches Versprechen, welcher Anspruch, welche Illusion und welche Enttäuschung verbargen sich im „Netz“ der damaligen Zeit?
Jens Meichsner: »Netzwerk und Internet«
Verfasst von jmeichsner am Mo, 2007-07-23 14:49. Internet | Graphentheorie - TopologieBeschäftigen wir uns heutzutage mit Netzwerken im Allgemeinen, kommen wir kaum darum herum uns im Speziellen auch mit dem Internet auseinanderzusetzen. Denn das globale Computernetzwerk, so scheint es mir, ist zugleich Ausgangspunkt und Zentrum wissenschaftlicher Netzwerktheorien und Wissensmodelle. Zwar wurde ohne Frage bereits weit vor Erfindung und Etablierung des Internets in der Wissenschaft über Netzwerke geschrieben und theoretisiert, aber nie mit einem solch universellen Anspruch, wie es im beginnenden 21. Jahrhundert der Fall ist: Fast alles wird in Netzwerkstrukturen gefasst oder, wie ein Netzwerkkritiker sagen würde, gepresst. Ich möchte mich im Folgenden allerdings weniger kritisch mit universellen Netzwerktheorien allgemein auseinandersetzen. Vielmehr liegt es mir daran, das Internet als Netzwerk selbst ins Visier zu nehmen.
Roman Hanig: »Die Herde der elektrischen Schafe oder das Netzwerk der Computerträume«
Verfasst von rhanig am Mo, 2007-07-23 14:21. Internet | MedienkunstTräumen Androiden von elektrischen Schafen?
So lautete der Titel eines Science-Fiction-Romans von Philip K. Dick aus dem Jahre 1968. Der Autor erschafft darin eine Welt, in der die Bionik inzwischen soweit fortgeschritten ist, dass sie menschenähnliche Roboter, so genannte Androiden, herzustellen im Stande ist. Dick geht dabei der Frage nach, was genau den Menschen eigentlich als solchen ausmacht und von seinen eigenen, beinah perfekten Nachbauten überhaupt (noch) unterscheidet. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht die Intelligenz ist, denn gerade auf diesem Gebiet laufen die Androiden den Menschen zunehmend den Rang ab, sondern die Empathie, das menschliche Einfühlungsvermögen.
Sebastian Gießmann: »Netze als Weltbilder. Ordnungen der Natur von Donati bis Cuvier«
Verfasst von sgiessmann am So, 2007-02-18 23:39. Naturgeschichte (17./18. Jahrhundert) | Diagrammatik - BildwissenschaftFolien zum Vortrag im Rahmen des Jungen Forums Bildwissenschaft, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 31. März 2006 (PDF, 4MB)
Der gleichnamige Text ist erschienen in: Verwandte Bilder, Hg. Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten: Berlin: Kadmos 2007.